Dr. Lars Ludwig
Head of AI
05.06.2026
KI-Transformation statt Tool-Einführung im Unternehmen
ChatGPT, Copilot, Gemini oder andere LLMs sind längst in deutschen Unternehmen angekommen. Laut dem Statistischen Bundesamt nutzten 2024 bereits 20 % der Unternehmen in Deutschland Technologien der künstlichen Intelligenz, die Tendenz ist deutlich steigend. Die ersten Effizienzgewinne sind vereinzelt sichtbar, der strukturelle Mehrwert bleibt in vielen Unternehmen dennoch begrenzt.
Warum ist das so? Es gibt Unternehmen, die KI-Transformation mit einem IT-Projekt gleichsetzen. Darin liegt die größte Herausforderungen: KI wird als neue Technologie eingeführt, aber nicht als Anlass verstanden, Prozesse, Workflows, Datenqualität und Entscheidungsstrukturen neu zu entwickeln.
In diesem Artikel erfahren Sie, worin der Unterschied zwischen KI und IT-Projekt liegt und wie eine wirkungsvolle KI-Transformation im Unternehmen gelingt.
Die häufigste Fehlannahme bei KI-Transformation im Unternehmen
„Wir brauchen ein KI-Tool.“ – Dieser Satz fällt in Unternehmen häufig. Diese Art zu denken führt allerdings in die falsche Richtung.
Was folgt, ist ein unverkennbares Muster: Unternehmen probieren KI und LLMs im Kleinen aus – ChatGPT, Copilot, Gemini, Claude und weitere Tools für unterschiedliche Aufgaben. Nach kurzer Zeit zeigt sich, dass KI schnell und in bestimmten Situationen durchaus hilfreich ist. Aber der Einsatz bring keine vollständige, organisatorische Veränderung und die strukturelle Auswirkung im Unternehmen bleibt aus.
Die größte Lüge im Unternehmen: „KI ist ein IT-Projekt“
Wer KI wie ein klassisches IT-Projekt betrachtet, behandelt sie wie jede andere Software: Tool auswählen, implementieren, fertig. KI wird als Beschaffungsfrage behandelt, nicht als Transformationsaufgabe.
Hier liegt der zentrale Unterschied zwischen KI und IT-Projekt. Ein IT-Projekt führt ein System in eine bestehende IT-Landschaft ein. Eine KI-Transformation verändert, wie Wissen verarbeitet, Entscheidungen vorbereitet, Prozesse automatisiert und Verantwortlichkeiten im Unternehmen organisiert werden.
Ohne diese Unterscheidung bleiben wichtige Fragen außen vor:
- Welche Prozesse müssen sich verändern?
- Wie wird die Zusammenarbeit neu organisiert?
- Wo liegen künftig die Entscheidungsverantwortung?
- Welche Datenqualität braucht das Unternehmen?
- Welche Governance ist für KI-gestützte Prozesse notwendig?
Eine Transformation für die Arbeit mit KI braucht es dazu Change-Management
KI benutzen: Ein Tool wird punktuell und isoliert und für einzelne Aufgaben eingesetzt, ohne Einbindung in bestehende Prozesse oder Entscheidungsstrukturen. Der Mehrwert bleibt auf die jeweilige Situation begrenzt. Ohne Transformation bleibt die strukturelle Wirkung aus.
Mit KI integrierenarbeiten: KI wird als fester Bestandteil operativer Abläufe verstanden. Es fungiert als System, das Aufgaben übernimmt, Informationen strukturiert und Entscheidungen vorbereitet. Nicht gelegentlich. Sondern als integrierter Teil der täglichen Arbeit.
Wer diesen Unterschied in den Einführungsprozess einbringt, erzielt eine wirkungsvolle digitale Transformation mit KI im Unternehmen.
Was KI von klassischer Software unterscheidet
KI wird im Unternehmenskontext häufig wie eine leistungsfähige Software behandelt. Diese Annahme ist nachvollziehbar. Bei Anders & Ganz sehen wir in der Praxis jedoch regelmäßig: Die Realität ist eine andere.
Klassische Software automatisiert definierte Abläufe. Ein Beispiel aus der Immobilienindustrie ist ein CRM-System, das Exposés automatisch an Online-Portale schickt und Kontakte systematisch pflegt. Aus weiteren B2B-Alltagen kennen Sie wahrscheinlich ERP-Software, die Rechnungen automatisch einbucht. Was diese Beispiele verbindet: Der Ablauf ist festgelegt, die Logik ist hinterlegt, das Ergebnis ist vorhersehbar.
Künstliche Intelligenz in Unternehmen ist keine weitere Software, die einfach in eine bestehende Tool-Landschaft eingebaut wird. KI versteht und interpretiert Inhalte, erkennt Zusammenhänge und kann daraus Handlungen ableiten. Das betrifft den Kern von Wissensarbeit: Informationen einordnen, Kontext verarbeiten, Zusammenhänge herstellen und Entscheidungsgrundlagen vorbereiten.
Damit verändert KI die digitale Transformation grundlegend. Es geht nicht nur um Prozessautomatisierung und Workflows, sondern um Kontextverarbeitung, Wissensmanagement und Entscheidungsunterstützung. Unternehmen, die das konsequent nutzen, gewinnen Geschwindigkeit, operative Effizienz und Entscheidungsqualität.
Damit KI in Unternehmensprozessen verlässlich arbeitet, reicht Prompting allein nicht aus. Entscheidend ist, dass relevante Informationen, Rollen, Regeln und Prozesslogiken sauber bereitgestellt werden – dieser Ansatz wird häufig als Kontext-Engineering bezeichnet.
KI skaliert nicht über Lizenzen, sondern über parallele Wissensarbeit
Klassische Software skaliert über Nutzer und Lizenzen. Mehr Kapazität bedeutet mehr Kosten, mehr Verwaltung und mehr Einführungsaufwand. Bei erfolgreicher Transformation für Künstliche Intelligenz im Unternehmen skaliert KI durch die parallele Bearbeitung vieler Aufgaben, gleichbleibende Qualität und sofortige Verfügbarkeit.
Die Skalierung ist für Unternehmen spürbar. Laut einer McKinsey Studie (2025) investieren Mitarbeiter bei Wissensarbeit knapp 25 % der wöchentlichen Arbeitszeit in ineffiziente Suchvorgänge.
Bei erfolgreicher KI-Transformation sind die Produktivitätspotenziale dagegen erheblich. Die AFR Financial Review verweist auf eine gemeinsame Studie von der Boston Consulting Group und der Harvard Business School (2023): Wissensarbeiter mit Zugang zu generativer KI erledigten 25 % mehr Aufgaben, 20 % schneller und mit 40 % höherer Qualität.
Ein Beispiel aus dem Real Estate: In der Immobilienentwicklung führt traditionelle, fragmentierte Planung und Informationsverluste zu Fehlern, die bis zu 22,4 % des Projektbudgets ausmachen können (Quelle: BauInfoConsult BIM Monitor). Die Transformation durch Künstliche Intelligenz entlastet operative Teams bei dieser hohen Informationsdichte und ermöglicht laut eine Wüest Partner Studie eine Effizienzsteigerung von bis zu 55 % im Datenmanagement.
In welchen Branchen KI Mehrwert erzeugt
KI entfaltet ihren strukturellen Mehrwert dort, wo hohe Kommunikationsdichte, viele Beteiligte, komplexe Entscheidungsprozesse und hoher Dokumentationsaufwand zusammentreffen.
Branchen wie Recht, Finanzwesen, Gesundheit oder Real Estate erfüllen diese Kriterien in besonderem Maß.
Use-Cases aus der Immobilienentwicklung
Die Immobilienentwicklung vereint nahezu alle genannten Faktoren auf einem Projekt: Dutzende Beteiligte, Tausende Dokumente, parallele Planungsstränge und Entscheidungen unter Zeitdruck. Drei Anwendungsfälle zeigen, wo KI in der Immobilienbranche konkret ansetzt.
Beispiel Nachtragsmanagement
- Ohne KI: Ein Nachtrag kommt herein und wird manuell geprüft. Inhalte müssen mit Budget und Vertrag abgeglichen werden, es folgen Rückfragen, Diskussionen und Abstimmungen. Das kostet Zeit und führt am Ende häufig zu Entscheidungen, die mit Unsicherheit einhergehen.
- Mit KI: Die Inhalte werden strukturiert erfasst und automatisch mit bestehenden Vereinbarungen abgeglichen. Abweichungen werden sichtbar gemacht, die Entscheidungsgrundlage vorbereitet und nachvollziehbar dargestellt.
Beispiel Projektkommunikation
- Ohne KI: Informationen verteilen sich über unzählige E-Mails, Protokolle und unterschiedliche Planstände. Inhalte sind schwer auffindbar, teilweise widersprüchlich, und jeder arbeitet mit einem individuellen Wissensstand.
- Mit KI: Inhalte werden zusammengeführt, kontextualisiert und auswertbar. Damit verschiebt sich der Fokus weg von der Suche nach einzelnen Informationen hin zur eigentlichen Frage: Was ist der aktuelle Stand und was bedeutet das konkret für die nächsten Schritte?
Sie möchten KI nicht nur testen, sondern wirksam in Ihre Prozesse bringen?
Anders & Ganz unterstützt Unternehmen dabei, konkrete Anwendungsfälle zu identifizieren, Potenziale realistisch zu bewerten und eine belastbare Roadmap für die KI-Transformation zu entwickeln.
Weshalb KI-Prozesse, Rollen und Entscheidungen verändert
KI ist mehr als ein Werkzeug, dass man benutzen kann. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz betrifft Prozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten. Das ist der Punkt, den die meisten Unternehmen unterschätzen.
KI verändert operative Rollen durch eine Verschiebung der Tätigkeitsschwerpunkte. Aufgaben wie Informationen zusammenführen, Dokumente prüfen oder Entscheidungsgrundlagen aufbereiten werden zunehmend KI-gestützt. Was Aufgabe der Mitarbeiter bleibt: inhaltliche Einordnung, Bewertung und Verantwortung.
Gleichzeitig brauchen Unternehmen Governance-Strukturen. Das bedeutet, klare Regeln darüber, welche Prozesse KI-gestützt ablaufen, welche Qualitätsstandards gelten und wer die Verantwortung trägt.
Unternehmen, die ihre Prozesse konsequent auf die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI transformieren, sehen messbare Verbesserungen bei Effizienz, Geschwindigkeit und Entscheidungsqualität.
Human-in-the-Loop: Aufgaben, die beim Menschen bleiben
Die Sorge, ob KI-Systeme Arbeitsplätze ersetzt, ist für viele Arbeitnehmende präsent und verdient eine realistische Antwort:
KI verändert, mit welchen Aufgaben Menschen ihre Zeit verbringen. Routineaufgaben, die heute Kapazität binden, werden zunehmend KI-gestützt. Was dadurch entsteht, ist Raum für die Arbeit, die tatsächlich menschliches Urteilsvermögen erfordert.
| Aufgaben Human-in-the-Loop | KI-gestützte Aufgaben |
| Strategische Entscheidungen | Informationen strukturieren & zusammenführen |
| Freigaben & Verantwortung | Abweichungen identifizieren |
| Qualitätssicherung | Entscheidungsgrundlagen aufbereiten |
| Bewertung komplexer Situationen | Priorisieren & verfügbar machen |
Strategische Entscheidungen, Freigaben und die Verantwortung für Ergebnisse bleiben beim Menschen. KI strukturiert, priorisiert und bereitet vor. Menschliche Arbeitsleistung, also der „Human-in-the-Loop“ bleibt das Fundament einer funktionierenden KI-Transformation.
Fazit: Der Hebel liegt in der KI-Transformation
KI als isoliertes Tool einzuführen, erzeugt isolierte Ergebnisse. Der Erfolg liegt in der Entscheidung, KI als System zu verstehen, das operative Abläufe, Rollen und Entscheidungsprozesse grundlegend verändert.
Dahinter steckt ein Transformationsprozess, der im Unternehmen stattfindet. Er beginnt damit, KI-Transformation nicht länger als IT-Projekt zu verstehen.